Josef Martinz will nichts falsch machen. Gerade sitzt er im Antenne-Kärnten-Studio und antwortet auf Hörer-Fragen. Was die ÖVP Jörg Haider angeboten hat, damit sein oranges Bündnis der Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel nicht zugestimmt hat,will ein Anrufer wissen.
Bei der gestrigen Parlamentssitzung hat es für einen entsprechenden SPÖ-Antrag, der bekanntlich eine Kernforderung Haiders aufgegriffen hat, keine Mehrheit gegeben. Weil Haider - pardon, der sitzt ja nicht im Parlament - seine völlig unabhängig agierenden Nationalräte also, dem nicht zugestimmt haben.
Was die ÖVP Haider angeboten hat, damit das BZÖ gegen die Senkung der Mehrwertsteuer stimmt, wollte der Hörer also wissen. Martinz, sinngemäß: Haider sei von sich aus zur Vernunft gekommen, dass eine Halbierung der Steuer nicht vernünftig sei. Selten so gelacht.
Immer wieder ist in diesen Tagen von der Achse Wolfgang Schüssel - Jörg Haider die Rede. Wir erinnern uns: Blau-Schwarz, 2000 bis 2002. Schwarz-Blau, 2002 bis 2005. Schwarz-Orange (übrigens nie gewählt): 2005 bis 2006. Will die ÖVP als ab Sonntag wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit zweitstärkste Partei im Parlament den Kanzler stellen, geht das nur mit der FPÖ - und mit Haider. Bloß, was kann die ÖVP Haider bieten?
In einem halben Jahr wird erneut gewählt, in Kärnten. SPÖ-Kandidat Reinhart Rohr will sich auch als Zweiter zum Landeshauptmann krönen lassen, und zwar mit Unterstützung der ÖVP. Angedacht ist sogar eine Teilzeit-Lösung: Zweieinhalb Jahre LH Rohr, zweieinhalb Jahre LH Martinz. Die roten Unterhändler schwirren schon aus in Richtung VP-Zentrale.
Wenn Haider Schüssel zum Kanzler macht, werden die schwarzen Statthalter in Kärnten wohl standhaft bleiben und die sozialdemokratischen Kollegen abblitzen lassen. Weil wenn Haider Molterer zum Kanzler macht, macht Martinz Haider erneut zum Landeshauptmann. Ein paar Monate bleiben Martinz noch, die richtigen Argumente zu finden, warum er das nicht selbst werden will.
Donnerstag, 25. September 2008
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